Samstag (First World Problems)

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Die Sonne scheint durch den Spalt zwischen den Vorhängen und pikst mir ins Gesicht. Missmutig quäle ich mich aus dem warmen Bett. Im Schlafzimmer ist es es kalt und weil ich meine Hausschuhe mal wieder irgendwo ausgezogen und vergessen habe muss ich jetzt mit nackten Füßen durch die Wohnung hüpfen. Am besten so wenig wie möglich das kalte Laminat berühren um so schnell wie möglich zum flauschigen Badvorleger zu gelangen.

Es ist bereits nach 10. Hungrig bin ich trotzdem nicht. Ich habe schlechte Laune, aber warum weiß ich nicht. Diese Erkenntnis verschlechtert meine Laune noch mehr. First World Problems. Wie kann man denn an so einem Samstag so mies gelaunt sein? Theoretisch gibt es nichts zum beschweren. Die Zeiten der faulen Mitbewohner, die schon seit Wochen das Bad nicht geputzt haben und dafür aber gern 2 Uhr nachts ihre nervige und zu basslastige Elektromucke einschalten, sind ja schließlich vorbei.

Ich starre in den Badspiegel und runzele die Stirn. Wenn ich ganz nah rangehe kann man die Denkfalten sehen. Seit kurzem 23 Jahre alt und Denkfalten auf der Stirn, das kommt davon wenn man viel zu viele Gedanken an alles und alle verschwendet. Irgendwann kriege ich davon noch Magengeschwüre. Leider lässt sich mein Kopf nicht so leicht abschalten. Wenn ich schon Falten hab kann ich auch die Faltencreme benutzen. ein Geburtstagsgeschenk meiner Eltern, die mir damit wohl auf humoristische Weise mitteilen wollten wie alt ihre Tochter doch ist. Wenigstens fühlt sich die Haut damit besser an.

Ich hatte beschlossen den Tag in der Bibliothek zu verbringen. Mich in meinem kleine Arbeitszimmerchen, einem sogenannten Carrel, was mehr an ein Cubicle aus amerikanischen Serien mit Tür erinnert, zu verkriechen. Außerdem schreibt sich die Bachelorarbeit nicht von allein.

Griesgrämig watschele ich von der Bushaltestelle zur Zentralbibliothek, setze mich in mein Kabuff und lasse die Tür hinter mir ins Schloss krachen. Bis ca 16 Uhr versuche ich vergeblich mich auf die Recherche zu konzentrieren. Dann gebe ich auf.

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Der Heimweg hat etwas von Spießrutenlauf. Alle Leute scheinen mich blöd anzustarren. Eine Gruppe Mädchen steigt in den Bus und wirft mir bösartige Blicke zu. Ich versuche selbstbewusst zurückzustarren (was mir wohl eher schlecht als recht gelingt) und frage mich ob ich irgendwas im Gesicht habe.

Nur noch Einkaufen und dann kann ich mich auf das Sofa werfen. Wenn es nur so einfach wäre. Zweimal renne ich am Eingang vorbei um festzustellen, dass wegen Bauarbeiten der Hintereingang vom Parkplatz aus die einzige Möglichkeit auf ein reinkommen bietet. Wo ist denn der Parkplatz? Der ist hinterm Haus und sehr gut Umzäunt damit ich einmal um den ganzen Block latschen darf um in den blöden Rossmann zu kommen. Dabei wollte ich doch nur die Patrone für den SodaClub umtauschen.

Nachdem ich kurz in der Wohnung alles abgestellt hart wollte ich nur nochmal schnell zum Supermarkt. Sonntags haben hier ja unglücklicherweise die Läden geschlossen. Ich schnappe mir nen Beutel und ziehe wieder los. Nur fällt mir auf halber Strecke ein, dass der Pfandbon der letzten Pfandrückgabe noch an der Pinnwand hängt. Also nochmal zurück, die Treppen hoch und den Bon holen. Ich habe wirklich gutes Timing. Alle Dresdner Rentner scheinen sich in diesem einen Netto versammelt zu haben. Fast eine Stunde brauche ich für einen Einkauf der sonst nicht einmal eine halbe gedauert hätte.

Zurück daheim werfe ich mich auf die Couch, schließe die Augen und hoffe, dass der Sonntag besser wird.

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2 Gedanken zu “Samstag (First World Problems)

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