Russland ist Anders

Da die letzte Russlandreise schon ein gutes Jahr her ist und dieses Jahr der Weg gen Osten leider ausfallen musste, schwelge ich in Urlaubserinnerungen und lasse die Reise revue passieren. Nur Monate nach dem ersten Post zur Osteuropareise kommt hier also Station zwei. Mein Zeitmanagement ist wirklich unglaublich effizient.

Die schönsten Bahnstrecken Russlands

Nachdem wir also die Ukraine verlassen hatten, ging es auf Schienen weiter nach Russland. Ist auch kaum verwunderlich, denn dort fahren alle Zug. Fliegen ist für den Normalverbraucher zu teuer und so zuckelt man gemütlich per Platzkart hunderte Kilometer durch das Land. So muss man einiges an Reisezeit einplanen. Allerdings ist es dadurch eine entschleunigte Art zu Reisen und hilft beim Einlassen auf das Abenteuer Ost.

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Zwischen vielen Füßen hat jeder seine eigene Liege. Während die Einheimischen dazu neigen die Fahrt mit schlafen zu verbringen, widmeten wir uns dem verzehr von Tee und mitgebrachten Speisen, Kartenspielen und zutiefst unsinnigen Grundsatzdebatten. Es war eine harmonische Reisegruppe. Da diese Strecke zum Großteil wirklich nur von Russen und Ukrainern genutzt wird, fielen die dreizehn Deutschen im hinteren Beriech des Zugs stark auf. Solch große Reisegruppen sind eben schon sehr ungewöhnlich. Und Russland liegt bei den meisten nicht auf der Backpacker-Route.

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Logistisch ist das Ganze enorm ausgeklügelt. Zum einen hat jedes Zugabteil eine Überdimensionale Samowar, wodurch man immer mit heißem Wasser für Tee und Fünfminutenterrinen versorgt ist. Während längerer Halte bricht auf winzigen Bahnhöfen zusätzlich noch Marktstimmung aus. Wer also nicht genug Essen dabei hat, kann sich bei gut organisierten Babuschkas Ihres Vertrauens mit Teigtaschen, Fleisch, Gemüse und sogar gekochten Kartoffeln versorgen.

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So zuckelten wir also von Lemberg nach Moskau. Gruseligster Moment der Reise war eindeutig der Grenzübertritt von der Ukraine nach Russland. Kurz vorher betraten Ukrainische Soldaten in Tarnkleidung mit Hunden in den Zug, kontrollierten alle Ausweise und schauten streng. Die bewaffneten Herren brachten bei mir ein gewisses Unbehagen, vor allem da eine ältere Dame unsanft aus dem Zug begleitet wurde aufgrund nicht ausreichender Ausweispapiere. Nach Grenzübertritt wirkten die russischen Beamten mit ihren übergroßen Schirmmützen wie lustige Pioniereisenbahnschaffner, zumindest wenn man, wie ich, kein Russisch spricht. Die Herren wollten trotzdem ganz genau wissen was wir hier machen und was wir so dabei haben.

 

Moskau, ich weiß nicht…

In Moskau angekommen gestaltet sich der Check In im Hostel eher schwierig. Man scheint unsere Buchung verbummelt zu haben und so werden wir auf unterschiedliche Zimmer aufgeteilt. Als einzige Frau werde ich in ein Frauen-dorm gestopft. Das Hostel scheint eher als Wohnort für in Moskau arbeitende Zugewanderte zu dienen. Alle haben  sich häuslich eingerichtet und sogar eine Mama mit kleiner Tochter teilt sich mit mir das Zimmer. Hostels sind normalerweise überall voll mit Backpackern die aus aller Herren Länder stammen. Hier spricht keiner wirklich Englisch und so kommt man auch in der Gemeinschaftsküche nur schwierig ins Gespräch.

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Nachdem alle frisch geduscht sich auch wieder wie Menschen fühlen, machen wir die Stadt unsicher. Für Loverboy und mich ist aber auch dieses Projekt mit Hindernissen bestückt. Wir haben Probleme mit der Kreditkarte Geld abzuheben und sind eher beschäftigt and Geld zu kommen als die epochale Architektur auf uns wirken zu lassen.

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Wir werden mit Moskau nicht so richtig warm. Es ist auf jeden Fall eine Stadt der Gegensätze. Neben bunten Zwiebelkirchen und historischen Schriftstellerhäusern finden sich graue abgehalfterte Platten und riesige sozialistische Regierungsgebäude. In Ostdeutschland aufgewachsen ist sozialistische Architektur nichts ungewöhnliches für mich, aber in Moskau hat man das ganze auf die Spitze getrieben. Achtspurige, autobahnartige Straßen führen durch die Stadt. Zum Überqueren der Straßen nutzt man daher auch eher Unterführungen. Es sei denn, man ist lebensmüde.

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Die russische Art auf Urlaubsbildern zu posieren beherrschen wir schon perfekt. Sonst ist unser Start in Russland nicht nur positiv. Selbst in der Hauptstadt tut man sich mit Englisch schwer. Könnte Loverboy nicht fließend russisch, währen wir alle sehr aufgeschmissen. Ständig muss er übersetzen.

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Trotz riesiger LED-Leinwände, die abgeranzte Plattenbauten verschönern sollen, sieht Moskau immer noch sehr sowjetisch aus. Es ist eine faszinierende Stadt aber schön fand ich sie nicht. Alles wirkt so riesig und irgendwie auch leer und kalt. Man hat nicht das Gefühl dass Menschen hier wirklich leben.

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Nach einer Nacht Moskau brechen wir aber auch schon weiter nach Osten auf. Es geht nach Sibirien, hinter den Ural. Mit fast zwei Tagen wird es unsere längste Zugfahrt auf der Tour. Mit Ural verband ich bis dahin nur den Geographieunterricht von früher. Immer dieses unsägliche Auswendiglernen von Flüssen und Gebirgen aller möglicher Länder und Kontinente mit dem man getriezt wurde. Selber hinfahren ist wesentlich spannender.

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