Hinter dem Ural

Von Moskau ging es also weiter gen Osten nach Yekaterinburg. Ganze 36 Stunden waren wir im Zug unterwegs um hinter den Ural zu gelangen. Normalerweise stören mich lange Zugfahrten, aber diesmal hätte ich noch einige Tage weiter durch die russische Pampa zuckeln können. 

Wir erreichten unser Ziel recht Spät am Abend. Beim Verlassen des Zuges flog einem klirrende Kälte entgegen. Wir hatten in Moskau angenehme spätsommerliche 20°C, Yekaterinburg begrüßte uns indes mit buckeligen 6°C. Wegen Wasserschaden hatte das eigentliche Hostel unser Wahl uns in eine andere Unterkunft eingebucht, die wir nach einigen Momenten des unsicheren munkelnd ob um die Zeit überhaupt noch Straßenbahnen fahren sicher erreichten. Mit W-Lahn und frisch renovierten Zimmern konnten alle sehr gut leben. Tschüss übervolle Dort-Rooms, Hallo geräumiges Doppelzimmer. So lässt es sich reisen.

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Am nächsten Tag wurden wir von einheimischen Studentinnen am Hostel abgeholt. Die beiden Ladies haben sich extra Zeit genommen um uns die Stadt zu zeigen. Etwas unsicher wo wir als erstes hin sollten, machten wir uns auf den Weg Richtung Zoo. Das entpuppte sich als etwas verstörende Erfahrung, denn russische Zoo’s sind weit entfernt von dem was wir gewohnt sind, vor allem was die Haltung der Tiere angeht. Ich möchte niemandem zu nahe treten und den echauffierten Westler spielen, Vor 30 Jahren sah so mancher deutsche Zoo wahrscheinlich auch nicht besser aus. Trotzdem bietet sich ein etwas verstörendes bald. Oft findet man die Tierchen ganz allein in ihrem Gehege und von Auslauf kann man auch nicht sprechen. Die meisten laufen lethargisch von links nach rechts, wie hypnotisiert.

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Dafür haben wir diesen krassen Typen gefunden: Bat Bär, wer kennt ihn nicht. Da musste natürlich ein Gruppenfoto her. Wir waren bis auf vereinzelte Familien mit Kleinkindern die einzigen Besucher. So neben der Saison waren viele Bereiche wegen Umbaus geschlossen. Das gab noch etwas Hoffnung das man die Unterbringung nach und nach verbessert.

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Wir verbrachten den Tag mit einem ausführlichen Spaziergang durch die Stadt. Yekaterinburg ist eine wichtige Industrie- und Universitätsstadt und sehr gut in Schuss gehalten im vergleich zu anderen Städten. Das liegt auch an berühmten Stadtsöhnen wie Boris Jelzin die für die nötige Finanzierung für Instandhaltung gesorgt haben. Auch das nötige Drama ist Teil der Stadthistorie. Traurige Kapitel der Geschichte haben sich hier abgespielt. So wurde die Zarenfamilie im Verlauf der Revolution hier erst eingesperrt und später ermordet.

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Zum Mittag haben wir in einem großen Restaurant halt gemacht. Welches von traditionellen Pelmeni, über Pizza und Pasta bis hin zu Sushi alles auf der Speisekarte hatte. Was in Deutschland ja eher ein Zeichen für zweifelhafte Küche ist, weist hier beliebte, moderne Restaurants aus. Lecker war das Essen auf jeden Fall, nur war die Kellnerin etwas mit der Gesamtsituation überfordert. Hatte damit zu tun, dass gerade erster Schulanfang  war. Dieser wird in Russland jedes Jahr feierlich begangen egal in welcher Stufe man ist. Im Restaurant haben alle Schüler einen roten Luftballon erhalten. Ich habe auch einen bekommen. Zum einen natürlich weil ich mit Mitte Zwanzig immer noch unheimlich jung und dynamisch wirke und als Schüler durchgehe. Könnte aber auch daran gelegen haben, dass die Kellnerin vor lauter stress unsere Bestellung vergessen hat und sich damit entschuldigen wollte.

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Frisch gestärkt war es an der Zeit sich Überblick zu verschaffen. Das Vysotsky Hochhaus bot perfekte Aussicht.

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Danach stromerten wir ohne einheimische Begleitung durch das Zentrum und entdeckten eine Flaniermeile am Fluss samt beleuchteten Wasserfontänen.

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Das mit den Liebesschlössern scheint in Russland sehr üblich zu sein. In jeder größeren Stadt findet man sie and Brücken und sogar eigens dafür gebauten Metallbäumchen. Ganz wichtig, je größer das Schloss, desto fester die Liebe. Man übertrifft sich gern selbst. Wer hier gewonnen hat ist wohl nicht zu übersehen.

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Auch hier sind die Überbleibsel des Kommunismus nicht zu übersehen. Heute liegt Russland irgendwo zwischen Konsumgeilheit und Sowjetstaat. In eine Schublade passt das nicht.

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Bei fast winterlicher Kälte ist zum Glück auch für portable Heißgetränke gesorgt. Mit Kaffeeautomaten ausgerichtete Minitransporter düsen durch die Stadt. Um eine große heiße Schokolade zu bestellen reichten meine begrenzten Russischkenntnisse auch gerade noch.

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Das Sewastjanow-Haus liegt direkt am Fluss. Wofür das Gebäude genutzt wird konnte ich nicht so richtig herausfinden. allerdings wurde es wohl von einem reichen Geschäftsmann errichtet.

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Am zweiten und letzten Tag in Yekaterinburg haben wir uns ab vom Schuss in die russische Pampa gewagt. Ziel war die Grenze zwischen Europa und Asien. In sich ein sehr konstruiertes Konzept. So gibt es mehrere dieser Mahnmale in der Region. Eines davon abgelegen im Wald versteckt.

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Bei strömendem Regen war es nicht die entspannteste Wandertour meines Lebens aber langweilig war sie auch nicht. Da fährt man in den tiefsten Osten abgeschieden von Allem und wen trifft man? Natürlich einen Deutschen der Touristen mit dem Land bekannt macht. Die einzigen Verrückten die sich bei diesem Wetter mit Sightseeing beschäftigen.

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Nach längerer Wartezeit und einigem Bangen ob der richtige Bus zurück in die Stadt auch an dieser abgelegenen Haltestelle hält konnten wir die Rückfahrt antreten. Der letzte Tag in Yekaterinburg war verregnet und abenteuerlich.

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Gegen Abend verließen wir mit Sack und Pack das Hostel und machten uns auf dem Weg zum Bahnhof. Nächster Stopp: Omsk.

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