Einmal Kurschatten und Zurück

Man sagt ja, so eine Kur ist ne feine Sache, bezahlter Urlaub. Da ich schon immer viel zu gesund war, habe ich mich noch nie für so eine all inclusive Wellness Reise sponsored by Rentenversicherung qualifizieren können. Dank Loverboys Diabetesdiagnose im letzten Jahr konnte er sich aber ein Ticket ergattern. Es gibt schönere Anlässe, aber es gab ihm die Möglichkeit sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Weit weg musste er zum Glück nicht. Im schönen Ostrau, wo sich Hase und Fuchs gute Nacht sagen, verbrachte er drei Wochen. Dadurch konnte ich mir einen lang gehegten Lebenstraum erfüllen: einmal Kurschatten sein (ein Wort welches mir bis dahin unbekannt war) und ein Wochenende lang Kurluft schnuppern.

Bad Schandau

Man befasst sich ja viel zu selten mit der Region in der man lebt, dabei gibt es ja überall schöne Ecken. Dresden und Umgebung ist nicht grundlos touristisch höchst gefragt. Kurz bevor mein Studententicket ausläuft wird mir bewusst, dass ich es viel zu selten benutzt habe um mir meine Heimat mal genauer anzuschauen. Mit Gebirge und Nationalpark liegt die pure Natur um die Ecke.

Allein in Ostrau treffen sich zahlreiche Wanderwege die zu den unterschiedlichsten Aussichtspunkten führen. Dank einem sehr sonnigen Wochenende bekam ich auch einige dieser zu sehen. Die Bastei zieht unangefochten die größten Touristengruppen in der Sächsischen Schweiz an. Es gibt aber auch entlegenere Alternativen. In der Nähe der Schlossbastei (ein ehemaliges Restaurant) findet sich die Schlossruine Schamberg.

Die Ruine wirkt Märchenhaft, aus dem Mittelalter stammt sie aber nicht gerade. Eine tolle Aussicht hat man trotzdem. Im Gegensatz zu echten Ruinen darf man diese nämlich betreten und kann sogar auf das Türmchen steigen.

Der Schlossberg oder Schomberg (mundartliche Form von Schönberg) diente wohl als Strom- und Straßenwacht zur Sicherung des Warenverkehrs auf der Elbe und der Hohen Straße nach der Lausitz. Die Brandspuren an den spärlichen Überresten (Wall, Graben, Zisterne) deuten auf eine Zerstörung in den Hussitenkriegen 1429/36 hin. Die Anlage steht als frühgeschichtliches Bodendenkmal unter Schutz. Die künstliche Ruine wurde als Aussichtspunkt von Baumeister Dachsel erbaut und am 24. Juni 1883 durch Mitglieder des Gebirgsvereins, Sektion Bad Schandau, feierlich eingeweiht. (Sächsische Schweiz Magazin)

Bad Schandau ist ein typischer Kurort, mit kleiner Altstadt und vielen Cafés, die vor allem von Rentnern frequentiert werden. Von den vielen Rentnergruppen sollte man sich nicht abschrecken lassen. Die zahlreichen Wanderwege hat man nämlich meist für sich, zumindest Ende März.


I know exactly what I’m doing

Wenn man schon einmal so eine geheime Schlossruine findet, muss man die natürlich auch als perfekten Fotohintergrund nutzen. Ich übe schonmal für meinen Fashion Blog: „Sexy in der Sexy Schweiz.“ Schließlich ist der Holzfäller Look nie aus der Mode.

Noch nie hat jemand unförmige Wollpullis so stylisch und grazil aussehen lassen. By the way, ich trage gerne Gelb beim Wandern. So kann man im Wald nicht verloren gehen. Mit Ende zwanzig habe ich mein Leben eben voll im Griff.


Festung Königstein – Aussicht, Aussicht, Aussicht

Es ist ja eigentlich egal wo man in der Sächsischen Schweiz aus dem Zug purzelt. Wanderwege gibt es überall. Darum hatten wir uns an Tag zwei entschieden mal zwei Haltestellen zurückzufahren und Festung Königstein zu erkunden. Der Weg nach oben war kurz, aber steil, nach einer halben Stunde laufen erspähten wir schon die massiven Mauern der Festung zwischen den Bäumen. Während sich der Weg um das Plateau schlängelt, sieht man wie naturgewachsener Stein und Festungsmauer zu einem Stück verschmelzen. Mit 1,62m Körpergröße fühle ich mich ja meistens klein. Im Angesicht eines so massiven Bauwerkes fühlt sich allerdings auch ein Dreimetermann wie eine unbedeutende Ameise.

Oben angekommen sollte man sich viel Zeit einplanen. Betritt man das Festungsgelände wird klar, es ist ein Museumsdorf. Allein um eine Runde entlang der Mauer zu laufen und einfach nur die Rundumaussicht zu genießen, ist man ein Weilchen unterwegs. Hinzukommen noch unterschiedlichste Gebäude und Keller mit liebevoll gestalteten, kleinen Themenausstellungen. Im Gegensatz zur Burgruine ist die Festung tatsächlich schon sehr alt. Laut Schwertfunden war das Plateau schon in der Bronzezeit (1100) besiedelt und ist eine der größten Bergfestungen Europas.

Da man hier locker einen Tag verbringen kann, muss natürlich auch für das leibliche Wohl gesorgt sein. Billig ist das nicht aber wenigstens lecker. Auf der Festung wird sogar Gebacken: frisches Brot und Kuchen so groß wie Wagenräder und das ist keine Übertreibung. Dazu gibt es in Schmilka, nahe der tschechischen Grenze, gebrautes Bier, heiße Schokolade und Kaffee.

Die besagte Brauerei haben wir am dritten Tag übrigens auch besucht. Viel zu sehen gibt es in Schmilka nicht. Ein Besuch lohnt sich nur bei schönem Wetter. Das kleine Städtchen lebt vom Tourismus. Brauerei und Biobäcker haben sich zu einer Art Mittelalterdorf aus Fachwerkhäusern und eigener Mühle zusammengeschlossen, wo man im Badezuber dem Erlebnistourismus frönen kann. Der mega Geheimtipp ist das nicht, aber trotzdem ganz nett gemacht. Und wer richtig krass drauf ist, kann von dort aus über die tschechische Grenze Laufen.

In Frühling und Sommer fließen die Tourismusströme in die Sächsische Schweiz. Das ist vor allem im Zug besonders belastend. Auf den Wanderwegen ist allerdings genug Platz. Die großen Massen beschränken sich meist auf Stadtkerne und Bastei. Der Kur Aufenthalt selbst war recht angenehm. Pool und Sauna durfte ich auch als Anhang mitbenutzen und für eine Großküche war das Essen auch sehr lecker. Auf den Tisch kommen vor allem regionale Produkte. Nur um den Geruch von alten Menschen und Desinfektionsmittel aus der Nase zu bekommen, habe ich eine Weile gebraucht.

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